Die Brauerei von Saint-Louis

1815 werden die Festungen von Huningue (Hüningen) und Saint-Louis (Sankt-Ludwig) von den österreichischen Truppen belagert. Die Privatpersonen und die Gemeinde von Saint-Louis müssen die Truppen von Erzherzog Johann Versorgen, unter anderem auch mit Bier. Dies drängt Alexandre Freund (1740-1795) dazu, 1816 die Brauerei von Saint-Louis  zu gründen. Die Konstruktion wird mit den Werkstoffen erbaut, die aus der Demontage der Festung von Huningue stammen. Der Schornstein der Brauerei ist der erste Industrieschornstein in der Landschaft von Saint-Louis.

François Joseph Freund (1804-1865) löst 1840 seinen Vater Alexandre an der Spitze der Brauerei ab. Paul Joseph Xavier Freund (1837-1886), der Sohn von François, übernimmt die Firma und führt insbesondere die Untergärung im Jahre 1861 ein. 1862 lässt er einen Eiskeller und einen Lagerungskeller in Hésingue erbauen. 1866 wird eine Dampfmaschine "H. Lachapech" installiert.  In 1873 wird ein großer Eisschrank gebaut. Eine Eismaschine wird 1883 erworben, und 2 Siederohrheizkessel (mit 64 m² Heizfläche) werden installiert. 1884 wird eine Linde Eismaschine erworben.

1886 stirbt Paul Freund nachdem er die Brauerei modernisiert hat. Seine Ehefrau übergibt die Vollmacht Ihrem ältesten Sohn Paul, genannt "Paul der Braumeister".

Im Jahre 1925 bekommt die Brauerei Freund die Bezeichnung "La Brasserie de St-Louis S.A." ("die Brauerei von Saint-Louis A.G.") und die Produktion erreicht im selben Jahr 25000 Hektoliter.

Im Jahre 1936 Kündigt Herr Charles Freund seine Stelle als Direktor. Der Betriebsrat ernennt Charles Freund Sohn als neuer Direktor.

Er ist der letzte Freund an der Spitze der Brauerei. Am 1. September 1938 wird er von seiner Direktorenstelle widerrufen. Er wird von Herrn Vogel ersetzt.

Herr Charles Freund Vater stirbt im September 1939. Das Begräbnis findet am selben Tag statt wie die Evakuierung von Saint-Louis und der Trauerzug ist daher unbedeutend. Im selben Jahr produziert die Brauerei 35000 Hektoliter Bier

 

Im Jahre 1957 geht Herr Louis Vogel in Rente. Sein Nachfolger wird  ein Brauerei-Ingenieur, Herr Henri Robert. Unter seiner Direktion werden zwei Anlagen zur Flaschenpasteurisierung installiert. Im Jahre 1960 vertraut die Brauerei von Saint-Louis, die zunehmend mit Ihrem veraltetem Material  durch modernere Brauerein konkurriert wird, die Herstellung ihrer Biere der Brauerei Fischer in Schiltigheim an. So geht die Produktion eines der ältesten Unternehmen der Region zu ende.

Die letzte Flasche trägt das Datum vom 18. Februar 1960.

Am 11. April 1968 um 13 Uhr verschwindet der älteste Schornstein von Saint-Louis. Es ist das Ende des Riesen, der seit mehr als einem Jahrhundert das Gesicht des Nord-Viertels der Stadt prägte. Mit diesem Schornstein verschwand der letzte Zeuge dieses Zeitalters in dem man gutes Bier in Saint-Louis braute.

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